Kleiner feiner Kniff bei Regressionsarbeit

Wenn man mit Regression to Cause – ursachenorientierte Hypnose arbeitet, lässt man sich typischerweise über die sogenannte Affektbrücke zu einem relevanten Ereignis in der Vergangenheit der Klientin führen, um dieses, möglicherweise ursächliche, Ereignis zu bearbeiten.

Folgenden kleinen Kniff habe ich glaube ich in dem Buch „Hypnosis and Hypnotherapy“ von Calvin D. Banyan aufgeschnappt und wende ihn gerne in der Praxis an:
Wir schauen uns das gefundene Ereignis kurz an und dann lasse ich die Klientin noch einen weiteren Tag zurück in die Vergangenheit gehen. Dort frage ich dann nach, ob sie das fragliche Gefühl, das mit dem wir eingestiegen sind, dort auch schon kennt oder nicht. Wenn das fragliche Gefühl da auch schon bekannt ist, geht die Reise noch weiter zurück in die Vergangenheit, manchmal noch über mehrere solche Schritte. Dorthin, wo das Gefühl erstmalig entstanden ist.
Wenn das fragliche Gefühl dann an dem einen Tag vorher unbekannt ist, dann ist diese Vorgehensweise schonmal sehr überzeugend, wirklich bei dem „richtigen“ Ereignis gelandet zu sein.
Auch der Weg dorthin ist schon ein interessantes Erlebnis, wie evtl. eine ganze Reihe von Erlebnissen mit dem aktuellen Problem zusammenhängen.
Nicht zuletzt ist es aus dem Blickwinkel der Traumatherapie günstig, die Geschichte vom guten Anfang bis zum guten Ende aufzuspannen, mit holprigen Abschnitten zwischendrin.

Allerdings muss man sich im Klaren sein, dass man mit dieser Vorgehensweise vielleicht auch häufiger bei Rückführungen in frühere Leben landet.

(wie immer sind Einzelheiten der Fallbeispiele natürlich verfremdet)
So kürzlich mit einem Klienten geschehen, der im Vorgespräch die Vermutung hatte, dass sein Problem mit einer Situation im Alter von 5-6 Jahren zu tun hatte.
In der Hypnose landen wir dann aber bei einer Situation im Alter von 3 Jahren, wo er für etwas ausgeschimpft wird und keine Ahnung hat, wofür und warum überhaupt.
Aber: Ein Tag davor ist das Einstiegsgefühl schon bekannt und der nächste Regressionsschritt führt zurück zur Geburt mit dem Gefühl, „zu viel Raum einzunehmen“.
Aber selbst da ist das Gefühl nicht neu, also gehen wir noch weiter und landen im Zwischenleben. Da gibt es zunächst den Eindruck, Gott würde ihn bestrafen für etwas, was er im vorigen Leben falsch gemacht hat.
Nach einem Moment wird aber auch deutlich, dass das nicht böse gemeint ist, sondern gut für ihn gemeint ist.
Also schauen wir uns an, was da im vorigen Leben angeblich „falsch gemacht“ wurde.
Wir kommen in eine Szene, wo er im Alter von 5-6 Jahren beobachtet, wie ein kleineres Kind, vielleicht 3 Jahre alt, nach ausgelassenem Spiel in einen Teich stolpert und dort ertrinkt. Er kann nichts machen in der Szene.
Hier betrachten wir das Ganze dann aus einer Meta-Ebene, aus heutiger erwachsener Sicht und kommen zu dem Schluß, dass der 5/6jährige nicht bösartig, schlecht oder schuld am Tod des anderen Kindes ist. Es war einfach das Schicksal des kleinen Kindes. Jegliches Gefühl von Schuld wird in jenem Leben zurückgelassen und dort so abgeschottet, dass es nicht mehr ins heutige Leben schwappt.
Wir schauen dann nochmal, ob sich dadurch jetzt „im Himmel“ etwas verändert hat. Da ist jetzt nicht mehr von Strafe für irgendwelche Fehler die Rede, sondern eher so eine Message wie „ich weiß das wird schwierig, aber ich bin sicher, Du schaffst das“.
Genau diese Zuversicht „von höchster Stelle“ nehmen wir dann mit, durch die Vergangenheit, in die Gegenwart im Hypnose-Sessel und in die Zukunft. Zuversicht, die zugemuteten Schwierigkeiten auch bewältigen zu können.

Interessant ist an der Stelle noch, dass in einer früheren Sitzung eine Szene bearbeitet wurde, in der der Klient in jungem Alter von Ertrinken bedroht war.

Solche Sitzungen sind bewegend und faszinierend und ich sehe das wie in Rückführungen in frühere Leben beschrieben pragmatisch:
Selbst wenn diese Ausflüge ins Zwischenleben, zu Gott und in eine früheres Leben nur Symbolik des heutigen Unterbewusstseins sein sollten – wenn sich auf diese Weise ein Gefühl von fehl am Platze zu sein, irgendwie falsch zu sein verwandelt in Zuversicht gegenüber den Herausforderungen des Lebens – dann ist mir das recht!

Kleiner feiner Kniff bei Regressionsarbeit