Buchbesprechung – Revenstorf, Peter: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin

Dirk Revenstorf und Burkhard Peter haben hiermit das aktuelle Standardwerk überhaupt über Hypnose und ihre Anwendungsfelder geschaffen.
Der Untertitel „Manual für die Praxis“ trifft den großen Nutzen dieses Buches.
Ich persönlich habe die 2. Auflage von 2009 (und kann somit hier nur diese besprechen). 2015 ist die dritte Auflage erschienen, die ich mir vielleicht auch irgendwann mal noch zulegen werde, weil sie z.B. neue hirnphysiologische Erkenntnisse über die hypnotische Trance aus Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren enthält.
Revenstorf und Burkhard sind die Herausgeber. Einen beachtlichen Teil des Buches haben sie selbst geschrieben. Viele Kapitel, z.B. zu verschiedenen Störungen oder Vorgehensweisen innerhalb der Hypnose, wurden von anderen Autoren, von den Koryphäen auf dem jeweiligen Gebiet, verfasst. So sind insgesamt 51 Autoren in diesem Werk vertreten.
Die ersten Kapitel befassen sich mit den „Allgemeinen Prinzipien“ der Hypnose, verschiedenen Methoden zur „Induktion“ und zur Vertiefung der Trance. Dann „Allgemeine Methoden“ über verschiedene Vorgehensweisen innerhalb der Hypnose wie u.a. die Arbeit mit Metaphern, Reframing, Altersregression, bis hin zum Thema Selbsthypnose.
Darauf folgen Kapitel zu verschiedenen Störungen. Das Inhaltsverzeichnis gibt hier einen guten Eindruck von dem weiten Feld, auf dem Hypnose hilfreich eingesetzt werden kann, z.B.:

Raucherentwöhnung, Alkohol, Übergewicht, Sexuelle Störungen, Schlafstörungen, Stress, Sport, Angststörungen, Trauma, Depressionen, Borderline, Psychosen, Psychosomatik, Reizdarm, Autoimmunkrankheiten, Warzen, Schmerz, Medizinische Notfallsituationen, Vorbereitung auf medizinische Eingriffe, Chirurgie, Verbrennungen, Magen- und Darmspiegelungen, Krebs, Immunerkrankungen, Tinnitus und Hörsturz, ZNS-Patienten, Zahnärztliche Problempatienten, Nägelbeißen und Trichotillomanie

Diese Kapitel sind nicht immer komplett gleich aufgebaut, folgen jedoch im Großen und Ganzen dem Schema, dass zunächst das jeweilige Störungsbild besprochen wird, dann die Möglichkeiten zu hypnotischen Interventionen und schließlich die empirischen Belege für diese Vorgehensweisen besprochen werden.
Auch wenn das Buch mit fast 1000 Seiten daher kommt, kann es nicht jede mögliche Hypnose-Behandlung jeglicher Störungen in aller Tiefe beschreiben. Aber wenn jemand zu mir kommt mit einem Thema, das für mich neu ist, dann ist „der Revenstorf“ gerne die erste Anlaufstelle, um mir einen Überblick möglicher Behandlungs-Strategien zu verschaffen, die man evtl. an anderer Stelle noch vertiefen muss. Nicht zuletzt helfen die Unter-Kapitel über die empirischen Belege zur Einschätzung der Erfolgschancen.

Abgerundet wird das Ganze mit Forschungsergebnissen zur „Effektivität der Hypnotherapie“ und zur „Neurobiologie der Hypnose“. Wen’s interessiert, der kann schließlich noch über die „Geschichte der Hypnose in Deutschland“ nachlesen.

Buchbesprechung – Revenstorf, Peter: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin