Buchbesprechung – Breiner, Polt: Lösungen mit dem Systembrett

Ein typisches Systembrett ist ein quadratisches Holzbrett, auf dem Holzfiguren verteilt werden, um bestimmte Situationen abzubilden. Die Figuren sind dabei meist neutral gehalten und unterscheiden sich in Form und Größe: manche sind viereckige Klötze, manche rund, manche vielleicht wie Mensch-ärgere-Dich-nicht-Figuren; maximal wird höchstens noch eine Blickrichtung angedeutet. Die Figuren stehen dabei stellvertretend z.B. für Familienmitglieder oder Teammitglieder im Unternehmen. Sie können aber auch abstrakte Werte, Ziele der Emotionen darstellen.
Ein Systembrett ist also ein Werkzeug für Symbol-Aufstellungen, im Gegensatz zu der Art von Aufstellungsarbeit, bei der mehrere Menschen als Stellvertreter im Raum verteilt werden.
Wenn ich bei mir in der Praxis mit Symbol-Aufstellungen arbeite, verwende ich als Raum dafür einen leeren runden Tisch, der soweit in die Mitte gerückt wird, dass man drumherum gehen und die Aufstellung von allen Seiten betrachten kann. Ich arbeite gerne mit Figuren, die durchaus selber symbolträchtig sein können: Tierfiguren, Filmfiguren, Stofftiere oder auch einfache Gegenstände, die symbolische Bedeutung annehmen können.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel alleine schon dadurch passieren kann, wenn man ein Problem mal auf diese Weise „auf den Tisch bringt“, anstatt einfach nur darüber zu reden.

Das besprochene Buch hält, was der Untertitel verspricht: „Ein umfassendes Handbuch für Aufstellungen mit dem Systembrett in Unternehmensberatung und persönlicher Beratung“.

Das beginnt zunächst mal mit einer Erläuterung der systemisch-konstruktivistischen Berater-Haltung und geht dann weiter mit Betrachtungen zum Setting. Bei letzterem empfehlen die Autoren dringend die Arbeit im Stehen, um damit zu ermöglichen, um das Brett herum zu gehen und so wortwörtlich verschiedene Perspektiven einzunehmen. Damit wird auch diese Aufstellungsarbeit am Brett zu einer Aktionsmethode. Auch hier ist es in der Praxis nicht zu unterschätzen, was für einen Unterschied es macht, sich wirklich physisch zu bewegen, um eine andere Perspektive einzunehmen.
Nach einem ausführlichen Überblick über verschiede Einsatzgebiete des Systembretts, wird dann der eigentliche Ablauf einer solchen Aufstellung beschrieben.
Ganz systemisch wird hier ein Modell von Einladungen beschrieben. Einladungen, die der Berater ausspricht und die der Klient annehmen kann, oder natürlich auch ablehnen kann; in welchem Fall der Berater halt eine nächste, andere Einladung folgen lässt. Das Modell besteht aus den
Einladungen:

  • zur Visualisierung
  • zum Perspektivenwechsel
  • zur Hypothesen-bild-ung
  • zur Würdigung des Problems
  • zur Problemkonkretisierung
  • zum Betreten eines Möglichkeitsraumes
  • zur Öffnung eines Lösungsraumes
  • zum Einnehmen einer anderen Perspektive
  • zum In-Kontakt-Kommen
  • zum ersten oder nächsten guten Schritt
  • zum Abschluss
  • zum Aussprechen von Erlebtem

Man kann diesen Ablauf eins zu eins als strukturiertes Vorgehen übernehmen oder nach Belieben Teile weglassen oder anders anordnen oder natürlich auch noch mit ganz anderen Interventionen kombinieren.
Zu jeder dieser Einladungen wird ganz konkret beschrieben, wie man sie aussprechen kann; in beispielhafter wörtlicher Rede, meist in Form von Fragen, die man dem Klienten in der jeweiligen Phase stellen kann. Zuletzt werden bei jeder dieser Einladungen am Ende nochmal knapp die „Essenzen dieser Einladung“ zusammengefasst.
Nach ein paar allgemeinen Tipps zur Aufstellungsarbeit werden noch spezielle Formate besprochen: Die verdeckte Aufstellung, bei der der Berater keinerlei Detailinformation über das aufgestellte Thema bekommt; oder „Aufstellungssnippets“, ein Vorgehen, bei dem man „mal eben zwischendurch“ etwas zur Verdeutlichung aufstellt, ohne das ganze „Format der Einladungen“ durchzugehen.
Und am Schluss noch ein ganz wichtiges Kapitel: „Gefahren und Grenzen der Systembrett-Arbeit“!

Alles in allem also empfehlenswerte Lektüre, egal wie viel oder wie wenig Erfahrung man bereits mit Aufstellungsformaten hat.

Buchbesprechung – Breiner, Polt: Lösungen mit dem Systembrett
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