Buchbesprechung – Tom Faith: Handbuch der Instant-Hypnose

Hier geht es nicht um therapeutische Anwendungen von Hypnose, sondern um die Demonstration typischer Show-Effekte, wie Katalepsie (z.B. Hände oder Füße „festkleben“ lassen), Amnesie (z.B. Namen oder Zahlen vergessen) oder Halluzinationen.
Dabei konzentriert sich Tom Faith hauptsächlich auf ein Setting wie in der Straßenhypnose: Es geht nicht darum, ein abendfüllendes Unterhaltungs-/Show-Programm aufzubauen, sondern mit wechselnden Freiwilligen nacheinander jeweils in paar Minuten Hypnose zu demonstrieren.
Der Untertitel ist Programm: „In 7 Tagen zum Realitätsverbieger“: Im ersten Teil des Buches wird ein 7tägiges Programm mitsamt jeweiligen praktischen Übungen beschrieben, an dessen Ende als „Meisterprüfung“ steht: in der Fußgängerzone, auf einem Volksfest oder in einer Kneipe mit wildfremden Menschen Hypnosephänomene demonstrieren zu können.
Diese 7 Tage sind dabei ein grober Rahmen: Natürlich zwingt einen niemand das an 7 Tagen am Stück durchzuziehen oder man darf sich auch mal mehr Zeit für ein Kapitel nehmen (aber nicht weniger).

  • Tag 1 „Mythos Hypnose“ erklärt zunächst einmal verschiedene Begriffe aus dem Umfeld und räumt mit dem einen oder anderen Vorurteil auf. Zu den praktischen Übungen gehört u.a. schon mal, mögliche Vorbereitungen für die „Meisterprüfung“ anzugehen: sich den Ort zu überlegen (Fußgängerzone, Kneipe) und die jeweils beste Zeit dafür, vielleicht schonmal T-Shirts mit der passenden Aufschrift zu bestellen oder sich ein Schild für den Auftritt zu basteln.
  • Tag 2 „Menschenflüsterer“ – Hier ist u.a. Thema, wie man sich geeignete Kandidaten aussucht, welche nonverbalen Hinweise im Vorfeld anzeigen, ob die Ampel bei den jeweiligen Kandidaten eher auf grün, gelb oder rot steht. Entsprechend gehört es zu den praktischen Übungen dieses Kapitels, an geeigneten belebten Orten Menschen aufgrund dieser Kriterien zu beobachten. Anhand dieser Beobachtungen sucht man sich den passendsten Ort für die „Meisterprüfung“ aus.
  • Tag 3 „Du bist Der Hypnotiseur“ befasst sich damit, das nötige Selbstbewusstsein für so einen Auftritt zu entwickeln.
  • Tag 4 „Die Wahrheit über Instant-Hypnose“ – über das entscheidende Setup vor der eigentlichen Blitz-Induktion.
  • Tag 5 „Basistechniken“ – „der leichte Teil, während alle anderen genau das Gegenteil denken“: Die Prinzipien von Trance-Induktion und -Vertiefung, der Aufbau von Suggestionen und schließlich das Beenden der Hypnose.
  • Tag 6 „So wirst du zum Hypnose-Profi“ – über die Planung des persönlichen Ablaufs von Setup, über Induktion und Suggestionen bis zum Beenden; das „No Fail Protocol“ mit Handlungsoptionen für viele Fälle, wenn nicht alles optimal nach Plan verläuft.
  • Tag 7 „Gesundheit und Sicherheit“ – in allen Abschnitten – sehr wichtig!

Teil 2 des Buches nennt sich „Hypnose-Werkzeugkasten“. Hier finden sich detaillierte, bebilderte Anleitungen zu verschiedenen Convincern, Induktionen und Suggestionen, jeweils mit Beschreibung des Ablaufs und spezifischen Tipps. Hier findet man alles, was im Bereich der Blitzhypnose gängig ist.

Es gibt Bücher über Blitzhypnose, es gibt Bücher über Hypnose-Shows, wer sich aber für Strassenhypnose interessiert, für den ist dieses Buch quasi das Standardwerk.

Auch wenn ich in der therapeutischen Praxis eher nicht mit Blitzinduktionen arbeite, finde ich es trotzdem wichtig, sich mit diesem Thema auszukennen und am besten sogar ein bisschen Erfahrung damit zu haben. Denn zum einen ist das gängige Bild von Hypnose oft bestimmt durch die beeindruckenden Blitzinduktionen im Fernsehen oder in YouTube Videos (oder auf der Strasse). Auch für therapeutische Klienten ist es hilfreich, wenn man zumindest erklären kann, was da vor sich geht.
Auch wenn mal ausserhalb der Praxis das Gespräch auf Hypnose kommt, ist es viel eindrucksvoller, „mal eben schnell“ etwas demonstrieren zu können, anstatt nur darüber zu reden. Und es ist auch gut für die Selbstsicherheit des Hypnotiseurs, zu wissen, dass man in praktisch jeder Situation hypnotisieren kann und nicht nur in der ungestörten Umgebung, in der Praxis, nur im Zweiersetting.

Buchbesprechung – Tom Faith: Handbuch der Instant-Hypnose
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