Buchbesprechung – Reinhard Bayerlein: Causal-EP für Therapeuten

Das Buch wurde mir kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Diese Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Eindrücken und wird durch die Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Ich musste erst einmal ein bisschen recherchieren, um überhaupt herauszufinden, dass mich dieses Buch interessiert und was Causal-EP überhaupt bedeuten soll.
Der Untertitel „Anleitung zum Ausschöpfen des Potenzials Energetischer Psychologie auf 5 therapeutischen Ebenen“ verdeutlicht, dass das „EP“ für „Energetische Psychologie“ steht, eine Bezeichnung für Methoden, die auch als „Klopfmethoden“ oder Klopfakupressur bekannt sind. Ich finde die Klopfmethoden spannend, habe damit auch schon erfolgreich gearbeitet und „Therapeut“, ja, bin ich auch, also: interessant!
Als „Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie“ habe ich mit Klopfmethoden psychotherapeutisch gearbeitet; der Buchautor, Reinhard Bayerlein, ist Heilpraktiker ohne Einschränkung, der mit seiner Methode „Causal-EP“ auch körperliche Beschwerden behandelt. Im Buch finden sich auch Beispiele zu Themen wie z.B. Knieschmerzen oder Osteoporose, d.h.: auch wenn von „Energetischer Psychologie“ die Rede ist, ist die Methode keineswegs nur für Psychotherapie interessant.

„Causal-EP“ basiert auf der wohl bekanntesten Klopfmethode, nämlich EFT (Emotional Freedom Techniques). Wer davon noch nie etwas gehört hat, bekommt EFT als Grundlage in diesem Buch auch erklärt, mitsamt entsprechenden Bildern von den zu beklopfenden Punkten. Kurz beschrieben:
Dabei wird ein bestimmtes, emotionales oder auch psychosomatisches, Problem zunächst aktiviert, z.B. im Gespräch und dann wird dieses Problem behandelt, indem bestimmte Akupunkturpunkte an Kopf, Händen und Oberkörper mit den Fingern beklopft werden. Dann gibt es noch eine Zwischensequenz mit bestimmten Augenbewegungen und mentalen Aufgaben wie z.B. ein Lied summen oder eine Rechenaufgabe lösen.
Klingt verrückt, sieht auch so aus, aber ich konnte mich auch schon persönlich davon überzeugen, dass so etwas ganz wunderbar funktionieren kann.

Nun gibt es schon eine Menge Selbsthilfe-Ratgeber, die EFT oder andere Klopfmethoden erläutern und mit denen auch Laien in der Lage sind, akute und einfache Probleme zu behandeln. Diese Buch ist insofern „für Therapeuten“, als dass es ausdrücklich darum geht, therapeutisch in Bereichen zu arbeiten, in denen diese Selbsthilfe an ihre Grenzen stösst, z.B. bei Traumata oder chronischen Störungen.

Vor der Erläuterung der grundlegenden EFT-Vorgehensweise wird im Abschnitt „Philosophie von Krankheit“ deutlich, was es mit dem „Causal“ im Titel auf sich hat. Dass nämlich die uns geläufige Kausalität „eine Ursache (in der Vergangenheit) erzeugt eine (darauf folgende) Wirkung“ nur eine von mehreren Arten von Kausalität (die „Causa efficiens“) ist, die Aristoteles seinerzeit dargestellt hat. Bei der Betrachtung von Krankheit ist laut Reinhard Bayerlein die Betrachtung der „Causa finalis“ mindestens genauso wichtig: Die Betrachtung des Ziels, der Absicht, des Sinns (auf die Zukunft bezogen) dahinter. Das „Causal“ im Titel steht also für die Absicht, an die „Causa“ zu kommen; das Augenmerk bei Symptomen nicht nur auf die materielle Ursache (Causa efficiens) zu richten, sondern nach der Causa finalis, nach den Sinngehalten zu schauen, „die im materiellen Symptom als ‚Geschenk und Hilfe‘ enthalten sind und damit eine Aufforderung zum ‚Entpacken‘ darstellen.“

Aufgrund dessen wird schon bei der Darstellung von EFT beschrieben, wie bei Causal-EP die auszusprechenden Sätze anders als üblich konstruiert werden: Sie bestehen aus der Nennung des Problems („Causa efficiens“, Vergangenheit), dann Akzeptanz dessen was ist in der Gegenwart und schliesslich einer lösungsorientierten Formulierung („Causa finalis“). Beispiel: „Auch, wenn ich diese Kopfschmerzen habe … akzeptiere ich die dahinterstehende Botschaft … und entscheide mich dafür ab jetzt wieder klar denken zu können.“

Desweiteren wird das klassischen EFT um das Konzept der Wandlungsphasen aus der Chinesischen Medizin erweitert. Im therapeutischen Prozess muss man sich „durch die verschiedenen Phasen unserer Wirklichkeit arbeiten.“ Dies soll auch dann weiterhelfen können, wenn das klassische EFT an seine Grenzen stösst. In diesem Konzept wird ein Problem auf 5 Ebenen (Achtung: Wortspiel) abgeklopft:
1. Ebene : Symptome / Körperlicher Bereich, Biochemie
2. Ebene : Emotionen / energetische und neurologische Systeme
3. Ebene : Familiensystem / Kollektives Unbewusstes, Seelenhaus: 1. Alltagsbeziehungen, Freundschaft, Tiere; 2. Geschwister; 3. Eltern; 4. Tanten/Onkel, Grosseltern
4. Ebene : Glaubenssätze / Unbewusstes und Bewusstsein, Schuldgefühle
5. Ebene : Lebenssinn / Höheres Bewusstsein, Lebensziel, Vertrauen, Glaube, Wille
Für jede dieser Ebenen folgt ein Kapitel, in dem jeweils entsprechende Fragen vorgeschlagen werden, um diese Ebene zu explorieren; und dann Beispiele für Formulierungen, mit denen diese Ebene „abgeklopft“ werden kann; oder spezielle Besonderheiten der jeweiligen Ebene. Schließlich wird noch jeweils eine zu dieser Ebene passende Hausaufgabe beschrieben.
Dieses Vorgehen (in der genannten Reihenfolge) liefert einen „roten Faden“, der verhindert, dass man in bestimmten Ebenen stecken bleibt, die dem Therapeuten vielleicht besonders liegen – z.B. in möglicherweise nicht nachhaltigem schlichtem „Wegklopfen“ von Symptomen; oder auch z.B. als Familiensteller nur die systemische Ebene zu betrachten. Evtl. spielen manche Ebenen für manche Probleme keine Rolle, aber es ist dann zumindest eine bewusste Wahl, diese Ebenen auszulassen.

Schleßlich folgt noch ein Kapitel mit möglichen „Erweiterungen“ zu Causal-EP. Einen grossen Stellenwert nehmen darin die Archetypen von Dr. Edward Bach (der mit den Blüten) ein. Es werden 38 archetypische „Mittelbilder“ in 19 Zweier-Gruppen von „Komplementärmitteln“ aufgeführt, mit jeweils einer Beschreibung des charakterlichen Archetypen, einer passenden positiven Formulierung und einer ganzen Reihe von Formulierungsvorschlägen für „Klopfsätze“. Dies macht immerhin etwa 1/4 des Buches aus! Auch wenn man mit Bach-Blüten nichts zu tun hat, findet man da sicher eine Menge Anregungen.
Weitere Erweiterungen betreffen „Surrogat-Behandlungen“ z.B. für kleine Kinder, Komapatienten oder Tiere und eine Abwandlung der „Logosynthese“ von Willem Lammers.

Schliesslich werden noch von 2 Fällen „Vorher/Nachher“-Bilder von einem „Segmentardiagnostik“-System gezeigt. Dieses System kann angeblich mit Messung des Hautwiderstands mit 6 Elektroden weitreichende Rückschlüsse über den Zustand jeglicher Organe anzeigen. Ich persönlich habe da so meine Zweifel, ob man mit einer so einfachen Messung wirklich so viel Aussagekraft bekommen kann wie sie die bunten Computer-Ganzkörper-Bilder suggerieren. Überhaupt: Das sind so die Ecken dieses Buches, mit denen ich ein Problem habe. Mit so manchen theoretischen Herleitungen kann ich mich nicht anfreunden. Es gibt zwar auch ein Kapitel über die „Wissenschaftliche Hypothese“ zur Wirksamkeit der Klopfmethoden, an vielen Stellen wird aber deutlich, dass der Autor eher davon ausgeht, dass das Klopfen wirklich auf ein Akupunktur-Energie-Meridian-System wirkt oder dass er Parallelen zur Homöopathie sieht. Von der Wirksamkeit der Methode bin ich durchaus überzeugt, dafür brauche ich auch keine für meine Begriffe fragwürdigen bunten Computerbilder als Beweis. Von den theoretischen Vorstellungen hinter Homöopathie, Akupunktur mit Informationen und Energiesystem bin ich hingegen gar nicht überzeugt.
Aber, manche für meine Begriffe fragwürdige Theorie mal beiseite:

Ich denke, hier wird ein gutes Konzept „um EFT herum“ beschrieben, dem ich zutraue, mit seiner Art von Formulierungen und dem Betrachten der 5 Ebenen, wirklich auch dann weiterhelfen zu können, wenn Standard-EFT nicht mehr reicht. Weiterhin gefällt mir sehr gut, dass das Konzept „Causal-EP“ hier wirklich komplett mit einer hohen Informationsdichte dargestellt wird. Man muss keine teuren Seminare buchen, um die letzten Geheimnisse einer Methode zu erfahren, sondern man kann (grundlegende therapeutische Kenntnisse vorausgesetzt) aufgrund dieses Buches die Methode praktisch ausprobieren.

Also: Wer mit EFT oder anderen Klopfmethoden arbeitet, und da womöglich wirklich schon an Grenzen gestossen ist, findet hier vielleicht ein „Aha“-Erlebnis; aber auch wer mit der „Energetischen Psychologie“ noch gar nichts zu tun hatte, erfährt hier alles Nötige um in „Causal-EP“ praktisch einzusteigen.

Buchbesprechung – Reinhard Bayerlein: Causal-EP für Therapeuten
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