Buchbesprechung – Julie Simon: When Food is Comfort

(aus diesem Buch stammt die Checkliste für emotionales Essen)
(alle Übersetzungen von Buchzitaten in diesem Artikel stammen von Detlef Pleiß)

Ich übersetze den Buchtitel mit „Wenn Essen tröstet“ – und darum geht es: um emotionales Essen, das heisst, wenn wir nicht wegen körperlichem Hunger essen, sondern eher wegen einem seelischem Hunger.

Schon im Untertitel “Nurture Yourself Mindfully, Rewire your Brain, and End Emotional Eating“ („Nähre Dich selbst achtsam, verdrahte Dein Gehirn neu und beende so emotionales Essen“) steht das Wort „nurture“ an erster Stelle, das mit „Nähren“ alleine nicht vollständig übersetzt werden kann, weil es ebenso Bedeutungen in der Richtung „Pflege“ und „Unterstützung“ beinhaltet.

Die Autorin geht davon aus, dass der Grad der Selbstkontrolle, den Menschen im Angesicht beliebten tröstenden Essens zeigen, mit Erfahrungen in ihrer Babyzeit und frühen Kindheit zusammenhängt. Sie schreibt: “Die Fähigkeit zur Selbstregulation hängt zu einem grossen Teil von der Erfahrung gleichbleibend freundlicher, unterstützender und nährender früher Interaktionen mit den Bezugspersonen ab.“

Sie geht aber auch, nach aktuellem Forschungsstand zurecht, davon aus, dass unser Gehirn nicht nur in Babyzeit und früher Kindheit „verdrahtet“ wird, sondern die neuronale Plastizität, die Fähigkeit unseres Gehirns, sich ständig neu zu verdrahten, bleibt uns ein Leben lang erhalten.

Nachdem diese Zusammenhänge in “Teil 1. Elterliche Fürsorge: mehr als Nahrung und Behausung“ erklärt werden, geht es in “Teil 2. Inneres Nähren: Sich selbst der beste Freund werden“ um die Entwicklung einer unterstützenden inneren Stimme. Die Autorin geht davon aus, dass es eine innere Stimme gibt, die das wiederholt, was wir von klein auf gelernt haben; insofern ist dieser fortgesetzte Umgang mit uns selbst oft gar nicht mal so freundlich, sondern wir machen uns z.B. innerlich runter, beschimpfen uns, eine kritische Stimme äußert jede Menge selbstschädigende Gedanken.
Demgegenüber soll nun eine innere nährende Stimme entwickelt werden: eine “erwachsene, weise, liebevolle, bestätigende, bedingungslos freundliche, ermunternde, beruhigende, tröstende, schützendem hoffnungsvolle und immer hilfreiche Stimme.”

Dazu beschreibt die Autorin eine Reihe von Übungen, die aufeinander aufbauend helfen, früh angelegte Verdrahtungen zu verändern, die „nährende Stimme“ zu entwickeln und damit schließlich emotionales Essen zu beenden.

Es geht in diesen Übungen um die Entwicklung von sieben Fähigkeiten:

  1. Gefühle und Körperempfindungen benennen und verfolgen
  2. Selbst-Bestätigung üben
  3. Stärke die Verbindung und biete Liebe, Unterstützung und Trost
  4. Bedürfnisse klären
  5. Selbstschädigende Gedanken erfassen und verändern
  6. Kraftquellen betonen und Hoffnung verbreiten
  7. Sich um Bedürfnisse kümmern und nährende Grenzen setzen

So wird Stück für Stück ein nährender Umgang mit sich selbst erlernt, sich selbst zu nähren (im erweiterten Sinne), sich um sich selbst zu kümmern und sich selbst die Art von Zuwendung zu geben, die einem früher gefehlt hat.

Nachdem es bis dahin nur um die eigene Person, um die Beziehung zu sich selbst ging, folgt “Teil 3. Nährende Beziehungen schaffen“. Hier geht es um die Beziehungen zu den Mitmenschen. Wer sich selbst nicht gut nährt, lädt oft auch nicht-nährende Mitmenschen in sein Leben ein. In diesem Teil werden 6 “sabotierende Muster“ beschrieben:

  1. Nehmen wer auch immer Dich nimmt
  2. Emotional unzugängliche Menschen anziehen
  3. Allen gefallen wollen
  4. Helfer-Syndrom
  5. Übermässig wertend sein
  6. Ungeduld

Diesen wird aber jeweils auch eine „Kräftigende Strategie“ entgegen gesetzt.

Ich zitiere einen m.E. wichtigen Punkt aus dem Schlusswort:
“… Am besten ist es, wenn Du Deinen Fokus verschiebst weg vom Abnehmen hin zum Erlernen neuer Fähigkeiten. Wenn Du diese Fähigkeiten anwendest, verschwindet überschüssiges Gewicht mit der Zeit und Du wirst feststellen, … dass der Abnehm-Part quasi mühelos geht. …”

Wenn Sie diese Beschreibung anspricht und Sie diesen Weg nicht alleine gehen wollen, gebe ich gerne Anleitung, Hilfe und Unterstützung zu den in diesem Buch beschriebenen Achtsamkeits-Übungen.
Aber auch Hypnose kann helfen, die emotionale Komponente bei Essstörungen zu bearbeiten.

Buchbesprechung – Julie Simon: When Food is Comfort
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